Kurzfassung (Stand 27.10.2026)
Die Schutzbrille Kennzeichnung nach EN 166 verrät, wofür eine Brille geprüft ist: Auf Sichtscheibe und Tragkörper stehen Zeichen für optische Klasse, mechanische Festigkeit (S, F, B, A) und Verwendungsbereiche (3 Flüssigkeiten, 4 Grobstaub, 5 Gas und Feinstaub, 8 Störlichtbogen, 9 Schmelzmetall). Laut DIN Media ist die DIN EN 166:2002-04 seit 2026-06 zurückgezogen und durch die DIN EN ISO 16321 ersetzt. Welche Brille ein Unternehmen braucht, entscheidet die Gefährdungsbeurteilung.
Splitter beim Schleifen, Spritzer beim Umfüllen, Staub beim Sägen: Die Augen sind bei vielen Arbeiten ungeschützt der Gefahr ausgesetzt, und Schäden sind oft nicht umkehrbar. Augenschutz gehört deshalb zur Grundausstattung. Doch nicht jede Brille schützt vor jeder Gefahr. Die Antwort steht auf der Brille selbst, in einer Kette aus Zahlen und Buchstaben.
Dieser Ratgeber erklärt in Tabellen, wie Sie die Kennzeichnung einer Schutzbrille lesen, was sich im Normstand 2026 geändert hat und welche Brille zu welcher Gefährdung passt.
Warum ist die Schutzbrille Kennzeichnung so wichtig?
Nach der DGUV Regel 112-192 „Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz“ bietet ein Augenschutzgerät nur dann ausreichenden Schutz, wenn sich die geeigneten Sichtscheiben im passenden Tragkörper befinden. Sichtscheibe und Tragkörper werden getrennt gekennzeichnet. Bestehen beide aus einer Einheit, steht die vollständige Kennzeichnung auf dem Tragkörper. Außerdem muss Augenschutz mit der CE-Kennzeichnung versehen sein.
Normstand 2026: EN 166 wird durch EN ISO 16321 abgelöst
Bislang war die EN 166 die Grundnorm für Augenschutz. Nach DIN Media ist die DIN EN 166:2002-04 inzwischen zurückgezogen. Sie wird durch die Normenreihe DIN EN ISO 16321 „Augen- und Gesichtsschutz für berufliche Anwendungen“ ersetzt, die im Juni 2026 erschienen ist:
| Norm | Inhalt |
|---|---|
| DIN EN ISO 16321-1:2026-06 | Allgemeine Anforderungen, ersetzt unter anderem DIN EN 166:2002-04, DIN EN 170 und DIN EN 379 |
| DIN EN ISO 16321-2:2026-06 | Zusätzliche Anforderungen an Schutzgeräte beim Schweißen und verwandten Verfahren |
| DIN EN ISO 16321-3:2026-06 | Zusätzliche Anforderungen an Schutzgeräte aus Gewebe (Korb- und Gittergeräte) |
Laut DIN Media bringt die neue Norm unter anderem diese Änderungen: Augenschutz gegen Störlichtbögen gehört nicht mehr zum Anwendungsbereich, hierfür gilt die IEC 62819. Wechselbare Teile müssen einfach und ohne Werkzeug montierbar sein, und die physiologische Verträglichkeit hat einen eigenen Abschnitt. Die Zeichen in den folgenden Tabellen stammen aus der DGUV Regel 112-192 zur EN 166 und finden sich auf vorhandenen Brillen. Prüfen Sie bei neu beschafften Brillen, nach welcher Norm der Hersteller kennzeichnet.
Kennzeichnung der Sichtscheibe lesen
Auf der Sichtscheibe stehen, in dieser Reihenfolge, die Schutzstufe (nur bei Filtern), das Herstellerzeichen, die optische Klasse und gegebenenfalls Zeichen für Festigkeit und Zusatzeigenschaften. Die optische Klasse beschreibt die Sehleistung:
| Klasse | Bedeutung |
|---|---|
| 1 | für Arbeiten mit besonders hohen Anforderungen an die Sehleistung, auch für den Dauergebrauch |
| 2 | für Arbeiten mit durchschnittlichen Anforderungen an die Sehleistung |
| 3 | nur in Ausnahmefällen für grobe Arbeiten, nicht für den Dauergebrauch |
Die mechanische Festigkeit zeigt, welchem Stoß die Scheibe standhält. Geprüft wird mit Stahlkugeln:
| Zeichen | Bedeutung | Prüfung |
|---|---|---|
| ohne | mechanische Grundfestigkeit | statischer Deformationstest |
| S | erhöhte mechanische Festigkeit | 43-g-Stahlkugel mit 5,1 m/s |
| F | Stoß mit niedriger Energie | 0,86-g-Stahlkugel mit 45 m/s |
| B | Stoß mit mittlerer Energie | 0,86-g-Stahlkugel mit 120 m/s |
| A | Stoß mit hoher Energie | 0,86-g-Stahlkugel mit 190 m/s |
Drei weitere Zeichen können hinzukommen: 9 für das Nichthaften von Schmelzmetall, K für die Beständigkeit der Oberfläche gegen Beschädigung durch kleine Teilchen (Kratzfestigkeit) und N für die Beständigkeit gegen Beschlagen.
Bei Filtern kommt die Schutzstufe dazu, bestehend aus einer Vorzahl und der Schutzstufennummer. Je höher die Schutzstufennummer, desto geringer ist die Durchlässigkeit für optische Strahlung. Die Vorzahl bedeutet: 2 für UV-Filter, bei denen die Farberkennung beeinflusst werden kann, 3 für UV-Filter mit guter Farberkennung, 4 für Infrarotfilter, 5 für Sonnenschutzfilter ohne und 6 für Sonnenschutzfilter mit Anforderung an den Infrarotschutz.
Kennzeichnung des Tragkörpers: Wofür ist die Brille gedacht?
Das Zeichen auf dem Tragkörper beschreibt den Verwendungsbereich. Wichtig: Ein Tragkörper ohne Zeichen deckt nur nicht näher festgelegte mechanische Risiken sowie Strahlung ab.
| Zeichen | Bezeichnung | Verwendungsbereich |
|---|---|---|
| kein Zeichen | ohne Bezeichnung | nicht festgelegte mechanische Risiken, ultraviolette, sichtbare und infrarote Strahlung sowie Sonnenstrahlung |
| 3 | Flüssigkeiten | Tropfen und Spritzer |
| 4 | Grobstaub | Staub mit einer Korngröße über 5 µm |
| 5 | Gas und Feinstaub | Gase, Dämpfe, Nebel, Rauch und Staub unter 5 µm |
| 8 | Störlichtbogen | elektrische Lichtbögen bei Kurzschluss in elektrischen Anlagen |
| 9 | Schmelzmetall und heiße Festkörper | Metallspritzer und Durchdringen heißer Festkörper |
Auch der Tragkörper kann die Festigkeitszeichen F, B oder A tragen, dann steht der Buchstabe nach einem Bindestrich. Die Schutzbrille Kennzeichnung gilt immer für das Zusammenspiel von Scheibe und Tragkörper: Die jeweils schwächere der beiden Angaben begrenzt den Schutz (Einordnung von Technigro).
Welche Schutzbrille passt zu welcher Gefährdung?
Die DGUV Regel 112-192 ordnet die Gefährdungen den Kennzeichnungen zu:
| Gefährdung | Geeigneter Augenschutz |
|---|---|
| Späne und Splitter (mechanisch) | Sicherheitssichtscheiben mit S, F, B oder A, je nach kinetischer Energie |
| Flüssigkeitsspritzer ins Auge | Korbbrille mit Kennzeichnung 3 |
| Gase, Dämpfe, Nebel, Rauch, Feinstaub unter 5 µm | Korbbrille mit Kennzeichnung 5 |
| Flüssigkeitsspritzer auf Gesicht und Hals | Schutzschirm (Visier) |
| Schmelzmetallspritzer | Augen- und Gesichtsschutz mit Kennzeichnung 9 |
| Kurzschlusslichtbögen | nur Visiere mit Kennzeichnung 8, ohne freiliegende Metallteile |
Im Sortiment finden Sie Bügelbrillen, Vollsichtbrillen (Korbbrillen), Visiere und Kombinationen sowie Zubehör für Augenschutz. Unsere Einordnung: Bügelbrillen eignen sich für allgemeine mechanische Gefährdungen, Vollsichtbrillen schließen rundum ab und kommen bei Spritzern, Gasen und Feinstaub in Frage, Visiere schützen zusätzlich das Gesicht. Bei Schweißarbeiten gelten eigene Anforderungen, passende Ausrüstung finden Sie bei Schweißerschutz.
Passform, Pflege und Austausch
- Prüfen Sie Sichtscheiben vor jedem Einsatz auf Kratzer, Risse und Beschädigungen, denn sie verschlechtern die Sicht und die Festigkeit.
- Tauschen Sie zerkratzte oder beschlagene Scheiben aus, wenn die Sehleistung leidet.
- Beachten Sie, dass Scheibe und Tragkörper zusammenpassen müssen, mischen Sie keine Teile verschiedener Hersteller ohne Freigabe.
- Reinigen und lagern Sie Brillen nach den Hinweisen des Herstellers, bewahren Sie sie geschützt auf.
- Achten Sie auf guten Sitz: Eine Brille, die drückt, rutscht oder beschlägt, wird nicht getragen.
- Kombinieren Sie Augenschutz mit anderer PSA nur, wenn alles zusammen dicht und bequem sitzt, zum Beispiel mit Kopf- und Gehörschutz.
Checkliste für die Beschaffung von Schutzbrillen
- Gefährdung laut Gefährdungsbeurteilung festgelegt (Splitter, Spritzer, Staub, Gase, Strahlung, Schmelzmetall)
- Verwendungsbereich auf dem Tragkörper passend (3, 4, 5, 8, 9) und Festigkeit F, B oder A gewählt
- Optische Klasse passend zur Tätigkeit (Klasse 1 für Dauergebrauch)
- Zusatzzeichen K und N bei Staub, Kratzern und Beschlag beachtet
- CE-Kennzeichnung und Normbezeichnung (EN 166 oder EN ISO 16321) auf Brille und Verpackung geprüft
- Passform und Verträglichkeit im Trageversuch getestet
- Unterweisung geplant, Austausch- und Pflegeregeln festgelegt
Augenschutz bei Technigro
Bei Technigro finden Sie Augenschutz für Unternehmen von der Bügelbrille bis zum Visier. Unternehmen bestellen mit dem B2B-Programm über ein Firmenkonto. Weitere Kennzeichnungen von A bis Z erklärt das PSA-Lexikon, einen Überblick über Kategorien und Normen gibt der Beitrag PSA richtig wählen: was hinter den Normen steckt. Wie sich Kopfschutz und Visier ergänzen, zeigt der Beitrag Kopfschutz für Bauarbeiter: Helmart, EN 397 und Auswahl.
Wer die Schutzbrille Kennzeichnung lesen kann, wählt Augenschutz gezielt nach Gefährdung statt nach Optik.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein (Stand 27.10.2026). Welche Schutzausrüstung erforderlich ist, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung Ihres Unternehmens. Im Zweifel klären Sie die Auswahl mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Quellen
- DGUV Regel 112-192 „Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz“, Abschnitt 3.2.4 Kennzeichnung (Textwiedergabe BG BAU). Abgerufen am 27.10.2026.
- DGUV Regel 112-192, Abschnitt 3.2.3 Arten von Augen- und Gesichtsschutz (Textwiedergabe BG BAU). Abgerufen am 27.10.2026.
- DGUV Regel 112-192, Ausgabe Juli 2001, aktualisierte Nachdruckfassung Februar 2006 (BG BAU). Abgerufen am 27.10.2026.
- DIN Media: DIN EN 166:2002-04, Persönlicher Augenschutz – Anforderungen, Status zurückgezogen. Abgerufen am 27.10.2026.
- DIN Media: DIN EN ISO 16321-1:2026-06, Augen- und Gesichtsschutz für berufliche Anwendungen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen (ersetzt DIN EN 166, DIN EN 170 und DIN EN 379). Abgerufen am 27.10.2026.
- DIN Media: DIN EN ISO 16321-2:2026-06, Zusätzliche Anforderungen an Schutzgeräte beim Schweißen. Abgerufen am 27.10.2026.
- DIN Media: DIN EN ISO 16321-3:2026-06, Zusätzliche Anforderungen an Schutzgeräte aus Gewebe. Abgerufen am 27.10.2026.


