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Welche Klassifizierungen gibt es für Arbeitsschutzhandschuhe?

Arbeitsschutzhandschuhe sehen auf den ersten Blick oft ähnlich aus, schützen aber vor ganz unterschiedlichen Gefahren: Schnitte, Hitze, Kälte, Chemikalien oder Mikroorganismen. Welcher Handschuh für welche Aufgabe taugt, verraten die Klassifizierungen auf dem Produkt: PSA-Kategorie, Piktogramme, Normen und Leistungsstufen. Wer sie lesen kann, wählt den richtigen Schutz, statt zu wenig oder am Bedarf vorbei zu kaufen. Dieser Ratgeber erklärt, welche Klassifizierungen es für Arbeitsschutzhandschuhe gibt, was die Kennzahlen bedeuten und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.

Die drei PSA-Kategorien: die Grundeinteilung

Schutzhandschuhe sind persönliche Schutzausrüstung im Sinne der Verordnung (EU) 2016/425. Sie werden nach dem Risiko, vor dem sie schützen sollen, in drei Kategorien eingeteilt:

  • Kategorie I: ausschließlich geringfügige Risiken, zum Beispiel leichte mechanische Einwirkungen oder Gartenarbeit
  • Kategorie II: mittlere Risiken, also alle Handschuhe, die weder in Kategorie I noch in Kategorie III fallen. Hierzu gehört der Großteil der Arbeitsschutzhandschuhe, etwa gegen Schnitte, Hitze oder Kälte. Die Hersteller kennzeichnen die Schutzeigenschaften mit Piktogrammen und der Nummer der zugrunde liegenden Prüfnorm.
  • Kategorie III: komplexe PSA gegen tödliche Gefahren oder ernste, nicht umkehrbare Gesundheitsschäden, zum Beispiel gefährliche Chemikalien. Sie unterliegen einer zusätzlichen Qualitätsüberwachung.

Die Kategorie ist die erste Orientierung: Je höher das Risiko, desto strenger sind die Anforderungen an Prüfung und Überwachung.

Allgemeine Anforderungen: EN ISO 21420

Unabhängig vom Schutzzweck müssen alle Schutzhandschuhe die allgemeinen Anforderungen erfüllen. Sie sind in der EN ISO 21420 geregelt (früher EN 420). Dazu gehören unter anderem Größen, Unschädlichkeit der Materialien, Geschicklichkeit, Konstruktion sowie Kennzeichnung und Produktinformation. Für spezielle Gefahren gelten zusätzliche Normen.

Die wichtigsten Normen und Piktogramme im Überblick

Je nach Gefährdung kommen verschiedene Normen zum Einsatz:

  • EN 388: Schutz gegen mechanische Risiken wie Abrieb, Schnitt, Reißen und Durchstich
  • EN 407: Schutz gegen thermische Risiken durch Hitze und Feuer
  • EN 511: Schutz gegen Kälte
  • EN ISO 374-1: Schutz gegen gefährliche Chemikalien
  • EN ISO 374-5: Schutz gegen Mikroorganismen
  • Weitere Normen: zum Beispiel für Schweißerhandschuhe (EN 12477), Kettensägenschutz (EN 381-7), Schutz gegen Messerschnitte (EN 1082) oder Schutz gegen ionisierende Strahlung (EN 421)

Das passende Piktogramm auf dem Handschuh zeigt, für welchen Zweck die Prüfung bestanden wurde. Ein Handschuh ohne Piktogramm bietet für die jeweilige Gefahr keinen geprüften Schutz.

EN 388: mechanische Risiken und ihre Kennzahlen

Die EN 388 klassifiziert Handschuhe nach mehreren Prüfungen. Das Ergebnis steht als Folge aus Ziffern und Buchstaben unter dem Piktogramm, zum Beispiel 4X42C. Die Stellen bedeuten:

  • A: Abriebfestigkeit (Stufen 0 bis 4): Anzahl der Zyklen, bis der Handschuh durchgescheuert ist. Stufe 1 ab 100 Zyklen, Stufe 4 ab 8.000 Zyklen.
  • B: Schnittfestigkeit nach Coup-Test (Stufen 0 bis 5): Schnittindex, bei sehr schnittfesten Materialien nicht immer aussagekräftig. „X“ bedeutet nicht geprüft oder nicht anwendbar.
  • C: Weiterreißfestigkeit (Stufen 0 bis 4): Kraft in Newton, die zum Weiterreißen nötig ist.
  • D: Durchstichfestigkeit (Stufen 0 bis 4): Kraft in Newton, mit der ein Gegenstand den Handschuh durchsticht.
  • E: Schnittfestigkeit nach ISO 13997 (Buchstaben A bis F): Kraft in Newton, die zum Durchschneiden nötig ist. Dieser Wert ist bei scharfen Klingen und hochschnittfesten Handschuhen aussagekräftiger. A entspricht etwa 2 N, F etwa 30 N.
  • F: Stoßschutz (optional, P): Das P zeigt, dass der Handschuh die Prüfung nach EN 13594 auf Schutz des Handrückens gegen Stöße bestanden hat.

Eine höhere Zahl bedeutet in jeder Kategorie eine höhere Leistung. Doch Vorsicht: Hoher Schnittschutz heißt nicht automatisch hoher Durchstichschutz. Jede Kennzahl muss zur Gefährdung passen.

EN 407: Schutz gegen Hitze und Feuer

Die EN 407 prüft das Verhalten gegen thermische Gefahren und gibt für jede Prüfung eine Leistungsstufe von 1 bis 4 an. Geprüft werden unter anderem:

  • Brennverhalten
  • Kontaktwärme
  • konvektive Hitze
  • Strahlungswärme
  • kleine Spritzer geschmolzenen Metalls
  • große Mengen flüssigen Metalls

Entscheidend ist, welche Gefährdung an Ihrem Arbeitsplatz auftritt: Kontakt mit heißen Oberflächen verlangt andere Eigenschaften als Funkenflug oder Schweißspritzer.

EN 511: Schutz gegen Kälte

Die EN 511 klassifiziert Handschuhe für kalte Umgebungen. Geprüft werden die Isolierung gegen konvektive Kälte, die Isolierung gegen Kontaktkälte sowie die Wasserdurchlässigkeit. Für die ersten beiden Werte gibt es Leistungsstufen von 0 bis 4. Bei der Wasserdurchlässigkeit zeigt eine 1 an, dass im Test mindestens 30 Minuten kein Wasser durchdringt, eine 0, dass diese Anforderung nicht erfüllt ist. Wer im Winter im Freien arbeitet, sollte zusätzlich auf Geschicklichkeit und Passform achten, damit die Arbeit trotz dicker Isolierung gelingt. Wie Sie die Kennzeichnung lesen und welche Materialien sich eignen, erklärt unser Ratgeber Winterhandschuhe für die Arbeit: Materialien, Eigenschaften und EN 511.

EN ISO 374-1: Schutz gegen Chemikalien

Für den Umgang mit Chemikalien unterscheidet die EN ISO 374-1 drei Typen. Sie hängen davon ab, gegen wie viele Prüfchemikalien der Handschuh welche Durchbruchzeit erreicht, also wie lange es dauert, bis die Chemikalie durch das Material gedrungen ist:

  • Typ A: höchste Anforderung, mindestens 30 Minuten Durchbruchzeit gegen mindestens sechs Prüfchemikalien
  • Typ B: mindestens 30 Minuten gegen mindestens drei Prüfchemikalien
  • Typ C: mindestens 10 Minuten gegen mindestens eine Prüfchemikalie

Die Buchstaben unter dem Piktogramm benennen die Chemikalien, gegen die der Handschuh getestet wurde. Wichtig: Eine Chemikalie, die nicht in der Liste steht, ist nicht geprüft. Prüfen Sie daher immer das Sicherheitsdatenblatt des Stoffs und die Angaben des Herstellers. Zusätzlich gibt es die EN ISO 374-5 für Schutz gegen Bakterien, Pilze und Viren. Einweghandschuhe für den Kontakt mit Chemikalien oder Mikroorganismen sind meist Kategorie III.

Welche Handschuhart passt zu welcher Gefahr?

Die Klassifizierung allein reicht nicht, entscheidend ist die Kombination aus Material und Einsatz:

Die endgültige Entscheidung trifft Ihre Gefährdungsbeurteilung. Wenn Sie unsicher sind, klären Sie die Einstufung mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Richtig auswählen, tragen und austauschen

Ein Handschuh schützt nur, wenn er passt und unbeschädigt ist. Achten Sie bei der Auswahl auf folgende Punkte:

  • passende Größe, denn zu enge Handschuhe ermüden, zu weite können hängen bleiben
  • Tastgefühl und Griffigkeit passend zur Tätigkeit
  • Materialverträglichkeit, vor allem bei Chemikalien, Ölen und Hitze
  • Hinweise des Herstellers zur Anwendung und Pflege

Tauschen Sie Handschuhe aus, wenn:

  • das Material Löcher, Risse oder starke Abnutzung zeigt
  • Beschichtungen sich lösen
  • der Handschuh durch Chemikalien aufgequollen, verhärtet oder verfärbt ist
  • die Isolierung durchnässt oder verformt ist
  • Schnittschutzmaterial sichtbar beschädigt ist

Lagern Sie Handschuhe trocken und vor direkter Sonne geschützt. Einweghandschuhe sind nicht zur Wiederverwendung gedacht.

Checkliste für die Beschaffung von Arbeitsschutzhandschuhen

  • Gefährdung laut Gefährdungsbeurteilung festgelegt (mechanisch, thermisch, chemisch, Kälte)
  • PSA-Kategorie passend zum Risiko
  • Piktogramme und Normen auf dem Handschuh vorhanden
  • Leistungsstufen passend zur Gefährdung geprüft (zum Beispiel EN 388, EN 407, EN ISO 374-1)
  • bei Chemikalien die geprüften Stoffe mit dem Sicherheitsdatenblatt abgeglichen
  • Größe, Passform und Tastgefühl getestet
  • Pflege- und Austauschhinweise des Herstellers beachtet

Schutzhandschuhe bei Technigro

Bei Technigro finden Sie Arbeits- und Schutzhandschuhe in vielen Ausführungen, ebenso wie die passende übrige PSA vom Kopf bis zum Fuß. Weitere Hintergründe lesen Sie in den Beiträgen Schutzhandschuhe richtig auswählen – Normen, Schutzklassen und Einsatzbereiche und PSA richtig wählen – was hinter den Normen steckt.

Quellen

  • Verordnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstungen, eur-lex.europa.eu
  • DIN EN ISO 21420:2020+A1:2024 „Schutzhandschuhe – Allgemeine Anforderungen und Prüfverfahren“
  • DIN EN 388:2016+A1:2018 „Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken“
  • DIN EN 407:2020 „Schutzhandschuhe und andere Handschutzausrüstung gegen thermische Risiken (Hitze und/oder Feuer)“ und DIN EN 511:2006 „Schutzhandschuhe gegen Kälte“
  • DIN EN ISO 374-1:2016+A1:2018 und DIN EN ISO 374-5:2016, DGUV IFA: Kennzeichnung und Normung von Schutzhandschuhen gegen chemische und biologische Einwirkungen, dguv.de
  • Weitere genannte Normen: EN 12477, EN 381-7, EN 1082, EN 421