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Schutzhandschuhe richtig auswählen – Normen, Schutzklassen und Einsatzbereiche

Ob in der Montage, Metallverarbeitung, Logistik oder Reinigung: Die Hände sind bei fast jeder Tätigkeit im Einsatz und damit bei fast jeder Gefährdung als Erstes betroffen. Schutzhandschuhe sind deshalb ein zentraler Baustein der persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Doch welcher Handschuh passt zu welcher Gefährdung? Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Schutzhandschuhe richtig auswählen und was die Normen EN 388 und EN ISO 374 auf dem Etikett bedeuten.

Schutzhandschuhe auswählen: Erst die Gefährdung, dann der Handschuh

Bevor Sie einen Handschuh bestellen, steht die Gefährdungsbeurteilung. Nach DGUV Regel 112-195 muss der Unternehmer vor der Auswahl und dem Einsatz von Schutzhandschuhen eine Gefährdungsbeurteilung durchführen. Sie beantwortet vor allem diese Fragen:

  • Welche Einwirkung besteht: mechanisch (Schnitt, Abrieb, Durchstich), thermisch (Hitze, Kälte), chemisch oder durch Mikroorganismen?
  • Wie lange und wie intensiv wirkt die Gefährdung auf die Hände?
  • Wie viel Feingefühl und Griffsicherheit braucht die Tätigkeit?
  • Wie nass, ölig oder staubig ist die Umgebung?

Erst mit diesen Antworten finden Sie einen Handschuh, der nicht nur normgerecht ist, sondern im Alltag auch tatsächlich getragen wird.

EN 388: Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken

Die Norm EN 388:2016+A1:2018 regelt Schutzhandschuhe gegen Abrieb, Schnitt, Weiterreißen, Durchstich und, falls zutreffend, Stoß. Sie wird zusammen mit EN ISO 21420 angewendet, der Norm mit den allgemeinen Anforderungen an Schutzhandschuhe. Handschuhe nach EN 388 erkennen Sie am Piktogramm mit einer Kennzahl aus vier Ziffern, gefolgt von einem oder zwei Buchstaben.

So lesen Sie die EN-388-Kennzeichnung

  • 1. Ziffer – Abriebfestigkeit: Level 1 bis 4. Level 4 bedeutet, dass das Material mindestens 8.000 Scheuerzyklen übersteht.
  • 2. Ziffer – Schnittfestigkeit (Coupe-Test): Level 1 bis 5.
  • 3. Ziffer – Weiterreißkraft: Level 1 bis 4.
  • 4. Ziffer – Durchstichkraft: Level 1 bis 4.
  • 1. Buchstabe – Schnittfestigkeit nach EN ISO 13997 (TDM-Test): A bis F. Er ist besonders bei Materialien wichtig, die die Klinge im Coupe-Test stumpf werden lassen.
  • 2. Buchstabe „P“: Der Handschuh wurde zusätzlich auf Stoßschutz geprüft.

Ein Beispiel: Die Kennzahl „4X42C“ steht für Abrieb Level 4, Coupe-Test nicht geprüft („X“), Weiterreißen Level 4, Durchstich Level 2 und Schnittschutz Stufe C nach dem ISO-Verfahren. Wichtig: Eine höhere Ziffer ist nur in ihrer eigenen Disziplin besser. Ein Handschuh mit hoher Schnittfestigkeit kann beim Durchstich schwächer abschneiden.

Für Arbeiten mit scharfen Kanten finden Sie passende Modelle in unserer Kategorie Schnittschutzhandschuhe.

EN ISO 374: Chemikalienschutzhandschuhe richtig einordnen

Wer mit Chemikalien arbeitet, braucht Handschuhe nach EN ISO 374-1:2016+A1:2018. Die Norm unterscheidet drei Typen:

  • Typ A: Durchbruchzeit von mindestens 30 Minuten gegen mindestens sechs Prüfchemikalien
  • Typ B: mindestens 30 Minuten gegen mindestens drei Prüfchemikalien
  • Typ C: mindestens 10 Minuten gegen mindestens eine Prüfchemikalie

Insgesamt gibt es 18 Prüfchemikalien. Sie sind durch Kennbuchstaben unter dem Erlenmeyerkolben-Piktogramm angegeben. Prüfen Sie immer, ob der Stoff, mit dem Sie arbeiten, dort aufgeführt ist: Ein Handschuh schützt nur vor den Chemikalien, für die er geprüft wurde. Handschuhe gegen gefährliche Chemikalien fallen in die PSA-Kategorie III. Eine Auswahl finden Sie bei den Nitrilhandschuhen.

Hitze, Kälte, Montage: weitere Handschuhtypen im Überblick

  • Hitzeschutz: Bei Kontakt mit heißen Oberflächen sind Handschuhe nach EN 407 gefragt, zum Beispiel unsere Hitzeschutzhandschuhe.
  • Kälteschutz: Für Arbeiten im Freien oder im Kühlhaus eignen sich Kälteschutzhandschuhe nach EN 511.
  • Montagearbeiten: Hier zählen Feingefühl und Griffigkeit, etwa bei Montagehandschuhen.
  • Grobe Arbeiten: Robuste Lederhandschuhe eignen sich für Transport, Bau und Garten- und Landschaftsarbeiten.

Passform und Tragekomfort entscheiden über die Akzeptanz

Ein Handschuh, der drückt, rutscht oder die Hand schnell ermüden lässt, wird nicht getragen und schützt dann nicht. Achten Sie auf die richtige Größe, eine ausreichende Beweglichkeit der Finger und ein Material, das zur Tätigkeit passt. Wer den ganzen Tag im Handschuh arbeitet, profitiert von atmungsaktiven Materialien und einer nahtarmen Verarbeitung.

Wann Handschuhe zur Gefahr werden können

Bei Arbeiten an Maschinen mit drehenden Teilen, etwa Bohrmaschinen oder Sägen, kann ein Handschuh erfasst und eingezogen werden. Ob dort Handschuhe getragen werden dürfen, klärt die Gefährdungsbeurteilung im Einzelfall. Im Zweifel sprechen Sie Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit an.

Prüfen, pflegen, austauschen

Schutzhandschuhe sind Verschleißartikel. Prüfen Sie sie vor jedem Einsatz auf Beschädigungen und tauschen Sie schadhafte Handschuhe sofort aus. Beachten Sie außerdem:

  • Pflege- und Lagerhinweise des Herstellers einhalten
  • Handschuhe trocken und vor direktem Sonnenlicht geschützt lagern
  • Gebrauchsanleitung vor dem ersten Einsatz lesen, besonders bei Chemikalienschutz

Fazit: Der richtige Schutzhandschuh passt zur Gefährdung

Die richtige Wahl beginnt bei der Gefährdungsbeurteilung und endet bei der Passform. Die Kennzeichnung nach EN 388 und EN ISO 374 hilft Ihnen, Handschuhe objektiv zu vergleichen. Bei Technigro finden Sie Arbeits- und Schutzhandschuhe mit herstellerunabhängigen Normangaben und detaillierten Produktinformationen. Mehr zum Thema Normen lesen Sie in unserem Beitrag PSA richtig wählen – was hinter den Normen steckt.

Quellen

  • DGUV Regel 112-195 „Benutzung von Schutzhandschuhen“, publikationen.dguv.de
  • EN 388:2016+A1:2018 „Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken“
  • EN ISO 374-1:2016+A1:2018 „Schutzhandschuhe gegen gefährliche Chemikalien und Mikroorganismen“
  • Verordnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstungen, eur-lex.europa.eu
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