Bei Dämmerung, Regen oder Nebel entscheiden oft Sekunden darüber, ob ein Fahrer eine Person auf der Straße rechtzeitig erkennt. Warnschutzkleidung macht Beschäftigte auffällig, am Straßenrand, auf der Baustelle, im Lager oder im Winterdienst. Dieser Ratgeber erklärt, was Warnschutzkleidung nach EN ISO 20471 ausmacht, wie sich die Warnschutzklassen 1, 2 und 3 unterscheiden und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.
Was Warnschutzkleidung nach EN ISO 20471 leisten muss
Die Norm EN ISO 20471:2013+A1:2016 legt Anforderungen und Prüfverfahren für hochsichtbare Warnkleidung fest. Sie ist persönliche Schutzausrüstung im Sinne der Verordnung (EU) 2016/425. Damit die Kleidung in jeder Lichtsituation auffällt, kombiniert sie zwei Materialien:
- Fluoreszierendes Hintergrundmaterial sorgt bei Tageslicht für Auffälligkeit. Vorgesehen sind die Farben fluoreszierend gelb, orange und rot.
- Retroreflektierende Streifen werfen das Licht von Scheinwerfern zurück und machen den Träger bei Dunkelheit sichtbar.
Für Personen im öffentlichen Straßenverkehr sind in Deutschland nach der Verwaltungsvorschrift zu § 35 StVO die Hintergrundfarben fluoreszierend gelb und fluoreszierend orange-rot zulässig.
Die drei Warnschutzklassen im Überblick
Die Klasse einer Warnschutzkleidung hängt davon ab, wie viel Fläche an fluoreszierendem und retroreflektierendem Material sichtbar ist. Je höher die Klasse, desto besser die Sichtbarkeit. Die Mindestflächen betragen:
- Klasse 1: 0,14 m² Hintergrundmaterial und 0,10 m² retroreflektierendes Material, für Tätigkeiten mit geringer Gefährdung
- Klasse 2: 0,50 m² Hintergrundmaterial und 0,13 m² retroreflektierendes Material
- Klasse 3: 0,80 m² Hintergrundmaterial und 0,20 m² retroreflektierendes Material, die höchste Sichtbarkeit
Die Mindestflächen müssen am Kleidungsstück tatsächlich sichtbar sein. Klasse 3 erreichen in der Praxis Jacken mit Ärmeln oder Kombinationen aus Jacke und Hose, während Westen häufig der Klasse 2 entsprechen.
Klasse 2 oder 3? Die Gefährdungsbeurteilung entscheidet
Welche Klasse Sie benötigen, entscheidet nicht der Einkauf, sondern die Gefährdungsbeurteilung. Der Unternehmer muss sie vor der Auswahl und dem Einsatz von Warnkleidung durchführen (§ 5 Arbeitsschutzgesetz). Orientierung gibt die DGUV Information 212-016 „Warnkleidung“. Danach ist Klasse 3 bei erhöhter Gefährdung vorgesehen, zum Beispiel:
- im Straßenverkehr mit einer durchschnittlichen Verkehrsgeschwindigkeit von mehr als 60 km/h
- wenn Teile der Warnkleidung tätigkeitsbedingt häufig verdeckt werden
Bei einfacher Gefährdung kann Klasse 2 ausreichen. Wenn Sie unsicher sind, klären Sie die Einstufung mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Warnweste, Warnschutzjacke oder Warnschutzhose?
Die Wahl des Kleidungsstücks beeinflusst die erreichbare Klasse und den Alltagskomfort:
- Warnweste: schnell übergezogen und flexibel, gut als Ergänzung zur vorhandenen Arbeitskleidung.
- Warnschutzjacke: bietet mit Ärmeln mehr Fläche und ist zugleich Wetterschutz.
- Warnschutzhose und Kombinationen: erhöhen die Sichtbarkeit der gesamten Silhouette.
Bei der Kombination mehrerer Teile lassen sich die Klassen nicht einfach addieren. Entscheidend sind die sichtbaren Mindestflächen von Hintergrund- und Reflexmaterial. Achten Sie deshalb auf die Kennzeichnung des Herstellers. Unser Sortiment finden Sie unter Warnschutzkleidung, passende Westen unter Westen.
Warnschutz und Wetterschutz kombinieren
Warnkleidung ist häufig zugleich Schutzkleidung gegen Witterungseinflüsse. Wer im Freien arbeitet, sollte deshalb neben der Warnschutzklasse auch die Zusatznormen im Blick haben, etwa EN 343 für Regenschutz oder EN 342 für Kälteschutzkleidung. Passende Modelle finden Sie in der Kategorie Warnwetterschutz.
Richtig tragen, pflegen und austauschen
Warnkleidung entfaltet ihre Wirkung nur, wenn sie geschlossen getragen wird und nicht von anderen Kleidungsstücken oder Gegenständen verdeckt ist. Die Norm verlangt, dass Fluoreszenz und Rückstrahlung auch nach mehreren Wäschen erhalten bleiben. Beachten Sie dazu die Pflegehinweise des Herstellers. Tauschen Sie Kleidung aus, wenn:
- die Farbe sichtbar verblasst oder stark verschmutzt ist
- sich Reflexstreifen lösen oder beschädigt sind
- das Kleidungsstück eingerissen oder anderweitig beschädigt ist
Checkliste für die Beschaffung von Warnschutzkleidung
- Klasse laut Gefährdungsbeurteilung festgelegt
- Kennzeichnung nach EN ISO 20471 mit Klassenangabe vorhanden
- Farbe passend zum Einsatz, im Straßenverkehr gelb oder orange-rot
- Passform mit ausreichend Bewegungsfreiheit, auch über Winterkleidung
- Zusätzlicher Wetter- oder Kälteschutz bei Arbeiten im Freien berücksichtigt
- Pflegehinweise des Herstellers beachtet
Fazit: Sichtbarkeit ist Schutz
Die richtige Warnschutzklasse ergibt sich aus der Gefährdung am Arbeitsplatz. Mit den Mindestflächen nach EN ISO 20471 und den Hinweisen der DGUV treffen Sie eine fundierte Entscheidung. Bei Technigro finden Sie Warnschutzkleidung in verschiedenen Klassen, Farben und Schnitten. Weitere Hintergründe zu Schutzklassen und Normen lesen Sie im Beitrag PSA richtig wählen – was hinter den Normen steckt.
Quellen
- EN ISO 20471:2013+A1:2016 „Hochsichtbare Warnkleidung – Prüfverfahren und Anforderungen“
- DGUV Information 212-016 „Warnkleidung“, bgbau.de
- Verordnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstungen, eur-lex.europa.eu

