Sicherheitsschuhe sind kein Kompromiss. Wer acht Stunden täglich auf den Beinen ist, braucht Schuhe, die nicht nur schützen, sondern auch getragen werden wollen. Beim Kauf stehen Sie vor Kürzeln wie S1, S1P, S3, S3L oder S3S und vor der Frage, welche Schutzklasse zu Ihrem Arbeitsplatz passt. Dieser Ratgeber erklärt die Schutzklassen nach EN ISO 20345, zeigt die Neuerungen der aktuellen Norm und gibt Ihnen Kriterien an die Hand, mit denen Sie Sicherheitsschuhe fundiert auswählen.
Das leisten alle Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345
Die Norm EN ISO 20345 legt die Anforderungen an Sicherheitsschuhe fest. Gemeinsames Merkmal aller Sicherheitsschuhe ist die Zehenschutzkappe: Sie hält einer Energie von mindestens 200 Joule stand, das entspricht dem Aufprall eines Gegenstandes mit 20 kg aus einem Meter Höhe. Ab der Kategorie S1 kommen weitere Grundanforderungen hinzu:
- geschlossener Fersenbereich
- antistatische Eigenschaften
- Energieaufnahme im Fersenbereich
Die aktuelle Fassung ist die EN ISO 20345:2022. Sicherheitsschuhe, die nach dem 30. März 2023 in Verkehr gebracht werden, müssen nach dieser Norm zertifiziert sein. Schuhe nach der Vorgängernorm von 2012 sind im Betrieb noch häufig im Einsatz, daher begegnen Ihnen beide Kennzeichnungen.
Die Schutzklassen im Überblick: S1, S2, S3 und ihre Varianten
Die Schutzklassen fassen die gebräuchlichsten Kombinationen aus Grund- und Zusatzanforderungen unter einem Kurzzeichen zusammen:
- S1: Grundschutz mit Zehenschutzkappe, geschlossenem Fersenbereich, antistatischen Eigenschaften und Energieaufnahme im Fersenbereich. Geeignet für trockene Umgebungen.
- S1P, S1PL, S1PS: wie S1, zusätzlich mit Durchtrittschutz gegen spitze Gegenstände am Boden.
- S2: wie S1, zusätzlich Schutz gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme. Der Schuh nimmt Feuchtigkeit nur begrenzt auf.
- S3: wie S2, zusätzlich mit Durchtrittschutz und profilierter Sohle. Der Allrounder für Baustelle und Außeneinsatz.
- S3L, S3S: wie S3, aber mit nichtmetallischem Durchtrittschutz.
- S6, S7: Varianten von S2 und S3 mit zusätzlicher Wasserdichtheit des gesamten Schuhs.
P, PL oder PS: Was der Durchtrittschutz bedeutet
Die Norm von 2022 unterscheidet drei Arten des Durchtrittschutzes. P steht für eine Einlage aus Metall. PL und PS sind nichtmetallische Einlagen, die mit unterschiedlich großen Nägeln geprüft werden: bei PL mit einem großen („Large“), bei PS mit einem kleinen („Small“). Nichtmetallische Einlagen sind oft leichter und flexibler, kommen aber ohne Metall aus. Welche Variante besser passt, hängt von Ihrem Einsatz und dem Tragekomfort ab.
Zusatzkennzeichen: Worauf Sie zusätzlich achten sollten
Neben dem Kurzzeichen der Schutzklasse weisen weitere Kürzel auf Zusatzeigenschaften hin:
- SR: Rutschhemmung auf Keramikfliesen mit Glycerin. In der Norm von 2022 gehört die Prüfung der Rutschhemmung auf Keramikfliesen mit Reinigungsmittel zu den Grundanforderungen, SR kennzeichnet die zusätzliche, optionale Prüfung mit Glycerin.
- ESD: Schutz vor elektrostatischer Entladung, wichtig in der Elektronikfertigung.
- CI: Kälteisolierung der Sohle, etwa bei Arbeiten im Freien im Winter oder im Kühlhaus.
- LG: Halt auf Leitern.
- SC: Beständigkeit der Überkappe gegen Abrieb.
Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Ihr Einsatz eines dieser Merkmale verlangt. Gerade auf nassen oder öligen Böden entscheidet die Rutschhemmung oft über die Sicherheit.
Welche Schutzklasse für welchen Einsatz?
Welche Schutzklasse Sie brauchen, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung. Als Orientierung für typische Einsatzbereiche:
- Trockene Innenbereiche, Lager, Montage: S1 oder S1P, wenn zusätzlich Durchtrittschutz gefordert ist.
- Werkstatt und Industrie mit gelegentlicher Feuchtigkeit: S2 oder S1P.
- Baustelle, Handwerk, Außeneinsatz: S3, S3L oder S3S mit Durchtrittschutz und profilierter Sohle.
- Dauerhaft nasse Umgebungen: Gummistiefel oder Schuhe mit zusätzlicher Wasserdichtheit.
Ist keine Zehengefährdung vorhanden, genügt unter Umständen ein Berufsschuh nach EN ISO 20347 mit den Kategorien O1 bis O5. Auch das klärt die Gefährdungsbeurteilung.
Passform und Komfort: Warum der beste Schuh der ist, der sitzt
Ein Sicherheitsschuh, der drückt, wird nicht getragen. Achten Sie deshalb beim Kauf auf diese Punkte:
- Zehenraum: Die Zehen sollten sich im Bereich der Kappe frei bewegen können, ohne anzustoßen.
- Anprobe: Probieren Sie Schuhe möglichst am Nachmittag an, wenn die Füße angeschwollen sind, und tragen Sie dabei Ihre Arbeitssocken.
- Einlegesohle: Eine Einlegesohle, die zu Ihrem Fußtyp passt, entlastet bei langem Stehen und Gehen.
- Gewicht und Flexibilität: Je leichter und flexibler der Schuh, desto weniger ermüdet der Fuß. Moderne Materialien machen das möglich, ohne Schutz zu opfern.
- Socken: Funktionssocken leiten Feuchtigkeit ab und beugen Druckstellen vor. Passende Modelle finden Sie unter Socken und Zubehör.
Pflege und Austausch: So bleibt der Schutz erhalten
Sicherheitsschuhe sind Verschleißartikel. Reinigen Sie sie regelmäßig, lassen Sie nasse Schuhe langsam bei Raumtemperatur trocknen und beachten Sie die Pflegehinweise des Herstellers. Tauschen Sie Ihre Schuhe aus, wenn:
- die Sohle stark abgelaufen ist oder sich löst
- die Zehenschutzkappe freiliegt oder verformt ist, zum Beispiel nach einem harten Schlag
- das Obermaterial Risse hat oder die Naht aufgeht
- die Passform durch Verschleiß der Innenausstattung nicht mehr stimmt
Fazit: Erst die Gefährdung klären, dann den Schuh wählen
Die passende Schutzklasse ergibt sich aus Ihrem Arbeitsplatz, die Zusatzkennzeichen aus den Besonderheiten Ihrer Umgebung, und über die Akzeptanz entscheidet die Passform. Bei Technigro finden Sie Sicherheitsschuhe aller Schutzklassen mit herstellerunabhängiger Normangabe und detaillierten Produktinformationen, damit Sie fundiert entscheiden können. Mehr zur Einordnung von Normen und Schutzklassen lesen Sie im Beitrag PSA richtig wählen – was hinter den Normen steckt.
Quellen
- EN ISO 20345:2022 „Persönliche Schutzausrüstung – Sicherheitsschuhe“ und EN ISO 20347:2022 „Berufsschuhe“
- DGUV Fachbereich PSA, Kurzzeichen nach EN ISO 20345 und 20347, dguv.de
- DGUV Regel 112-191 „Benutzung von Fuß- und Knieschutz“, Anhang 3 „Kurzzeichen von Kombinationen“, vorschriften.bgn-branchenwissen.de
- Verordnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstungen, eur-lex.europa.eu

