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Gefährdungsbeurteilung

Gehörschutz dB Tabelle: Wie viel Dämmung brauchen Sie?

Mitarbeiter mit gelbem Kapselgehörschutz und Schutzbrille arbeitet mit einem Winkelschleifer in einer Werkhalle

Kurzfassung (Stand 27.10.2026)

Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) müssen Unternehmen Gehörschutz bereitstellen, ab 85 dB(A) besteht Tragepflicht. Die Dämmung passt, wenn unter dem Gehörschutz 70 bis 80 dB(A) am Ohr ankommen, über 85 dB(A) ist nicht zulässig. Die Gehörschutz dB Tabelle in diesem Ratgeber zeigt Auslösewerte, Beurteilung des Restpegels und ein Rechenbeispiel mit SNR-Wert und Praxisabschlag nach DGUV Regel 112-194.

Lärm schädigt das Gehör schleichend. Wer täglich laute Maschinen, Werkzeuge oder Fahrzeuge um sich hat, merkt die Folgen oft erst, wenn sie nicht mehr rückgängig sind. Gehörschutz ist deshalb in vielen Betrieben Pflicht. Doch wie viel Dämmung ist nötig? Zu wenig schützt nicht ausreichend, zu viel isoliert so stark, dass Warnsignale und Gespräche untergehen.

Dieser Ratgeber erklärt anhand von Tabellen, ab wann Gehörschutz vorgeschrieben ist, welcher Pegel unter dem Gehörschutz am Ohr ankommen soll, wie Sie mit dem SNR-Wert und den Praxisabschlägen rechnen und worauf Unternehmen bei der Auswahl achten.

Ab wann ist Gehörschutz Pflicht?

Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) nennt in § 6 zwei Stufen von Auslösewerten. Bei der Anwendung der Auslösewerte wird die dämmende Wirkung des Gehörschutzes nicht berücksichtigt. Maßgeblich ist also der Lärm am Arbeitsplatz, nicht der Pegel unter dem Gehörschutz.

Auslösewerte für Lärm nach § 6 LärmVibrationsArbSchV
Auslösewert Tages-Lärmexpositionspegel Spitzenschalldruckpegel Pflicht des Unternehmens
Untere Auslösewerte 80 dB(A) 135 dB(C) Geeigneten Gehörschutz zur Verfügung stellen
Obere Auslösewerte 85 dB(A) 137 dB(C) Benutzung des Gehörschutzes sicherstellen, Lärmbereiche mit dem Gebotszeichen M 03 kennzeichnen

Der Tages-Lärmexpositionspegel bezieht sich auf eine Acht-Stunden-Schicht und umfasst alle Schallereignisse am Arbeitsplatz. Welche Werte bei Ihnen gelten, ergibt die Lärmermittlung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung. Technische und organisatorische Maßnahmen haben dabei Vorrang vor persönlichem Gehörschutz.

Wie viel dB Dämmung brauche ich? Die Gehörschutz dB Tabelle für den Restpegel

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist der Pegel, der unter dem Gehörschutz am Ohr ankommt, der Restpegel. Die DGUV beurteilt ihn nach folgendem Schema:

Beurteilung des am Ohr wirksamen Restpegels unter dem Gehörschutz
Restpegel am Ohr Restspitzenpegel am Ohr Beurteilung
Über 85 dB(A) Über 137 dB(C) Nicht zulässig
Über 80 dB(A) Über 135 dB(C) Nicht empfehlenswert
70 bis 80 dB(A) Bis 135 dB(C) Empfehlenswert
Unter 70 dB(A) Kein Wert Verständigung und Isolationsgefühl prüfen

Zu viel Dämmung nennt die DGUV Überprotektion. Sie liegt vor, wenn Warnsignale oder Maschinengeräusche nicht mehr sicher gehört werden, die Sprachverständlichkeit leidet oder ein Isolationsgefühl entsteht. Das ist nicht nur ein Komfortthema: Überprotektion belastet Beschäftigte laut DGUV häufig mental.

Wie rechnen Sie mit dem SNR-Wert?

Auf Gehörschutz finden Sie den SNR-Wert, einen Einzahlkennwert der Dämmung. Er wird vom C-bewerteten Pegel am Arbeitsplatz abgezogen. Wichtig: Die SNR- und die HML-Werte der Hersteller enthalten die Praxisabschläge nicht. Die DGUV Regel 112-194 (Ausgabe September 2024) nennt sie je nach Gehörschutztyp, weil die Schutzwirkung in der Praxis durch unsachgemäße Benutzung oder Verschleiß geringer ausfällt als im Labor.

Praxisabschläge nach DGUV Regel 112-194 (Anhang 12)
Gehörschutztyp Praxisabschlag
Vor Gebrauch zu formende Gehörschutzstöpsel 9 dB
Fertig geformte Gehörschutzstöpsel 5 dB
Bügelstöpsel 5 dB
Kapselgehörschützer 5 dB
Gehörschutz-Otoplastiken mit Funktionskontrolle 3 dB

Rechenweg: Restpegel am Ohr = C-bewerteter Pegel am Arbeitsplatz minus SNR plus Praxisabschlag. Beispiel: Am Arbeitsplatz herrschen 100 dB(C), der Kapselgehörschutz hat SNR 30. Dann gilt 100 minus 30 plus 5 gleich 75 dB(A), das liegt im empfehlenswerten Bereich. Die folgende Gehörschutz dB Tabelle zeigt Restpegel für Kapselgehörschützer mit Praxisabschlag 5 dB. Fett gesetzte Werte liegen im empfehlenswerten Bereich von 70 bis 80 dB(A).

Restpegel am Ohr bei Kapselgehörschutz (Rechenbeispiel mit Praxisabschlag 5 dB)
Pegel am Arbeitsplatz SNR 20 SNR 25 SNR 30 SNR 35
90 dB(C) 75 dB(A) 70 dB(A) 65 dB(A) 60 dB(A)
95 dB(C) 80 dB(A) 75 dB(A) 70 dB(A) 65 dB(A)
100 dB(C) 85 dB(A) 80 dB(A) 75 dB(A) 70 dB(A)
105 dB(C) 90 dB(A) 85 dB(A) 80 dB(A) 75 dB(A)
110 dB(C) 95 dB(A) 90 dB(A) 85 dB(A) 80 dB(A)

Werte über 85 dB(A) sind nicht zulässig, Werte über 80 dB(A) nicht empfehlenswert. Bei vor Gebrauch zu formenden Schaumstoffstöpseln erhöht sich der Restpegel wegen des Abschlags von 9 dB um weitere 4 dB. Die Tabelle ist ein Rechenbeispiel und ersetzt nicht die Auswahl nach DGUV Regel 112-194. Weitere Abkürzungen wie SNR, HML oder SR erklärt das PSA-Lexikon.

Für eine genauere Auswahl, besonders bei tieffrequentem Lärm etwa von Motoren oder Kompressoren, nutzen Sie die H-, M- und L-Werte. Nach der DGUV gilt im hoch- und mittelfrequenten Bereich (Differenz zwischen C- und A-Pegel bis 5 dB) der M-Wert, bei tieffrequentem Lärm (Differenz über 5 dB) der L-Wert, jeweils im HML-Check nach DIN EN 458.

Warum die Tragedauer die Dämmung bestimmt

Selbst hochwertiger Gehörschutz hilft nur, wenn er die ganze Zeit getragen wird. Die DGUV rechnet in ihrer Präventionsleitlinie nach DIN EN 458 vor: Bei einem Dauerlärm von 105 dB und einem Gehörschutz mit 30 dB Dämmung beträgt der wirksame Pegel bei durchgehendem Tragen 75 dB. Wird er in einer Schicht nur 30 Minuten abgenommen, steigt er auf 93 dB. Wird er in einer Acht-Stunden-Schicht nur vier Stunden getragen, bleibt eine effektive Schutzwirkung von nur 3 dB.

Für die Praxis heißt das: Planen Sie Pausen und Wechsel so, dass der Gehörschutz in Lärmbereichen nicht abgenommen werden muss, und wählen Sie ein Modell, das Beschäftigte gerne den ganzen Tag tragen.

Welche Gehörschutztypen gibt es?

Die Normenreihe DIN EN 352 regelt Gehörschützer. Teil 1 gilt für Kapselgehörschützer, Teil 2 für Gehörschutzstöpsel, Teil 3 für an Kopfschutz befestigte Kapseln (Fassung 2020 laut DGUV Regel 112-194). Die DGUV unterscheidet drei Arten:

  • Kapselgehörschützer: mit Kopf-, Nacken- oder Universalbügel, als am Arbeitsschutzhelm befestigte Variante sowie mit pegelabhängiger Dämmung, Kommunikationseinrichtung oder aktiver Geräuschkompensation.
  • Gehörschutzstöpsel: zum einmaligen oder mehrmaligen Gebrauch, fertig geformt oder vor Gebrauch zu formen, auch als Bügelstöpsel, mit Verbindungsschnur oder detektierbar, zum Beispiel für die Lebensmittelindustrie.
  • Otoplastiken: für den einzelnen Gehörgang individuell angefertigte Stöpsel aus Hartmaterial oder Silikon.

Neben der Dämmung zählen Dauer- oder wiederholter Kurzzeitlärm, Spitzenpegel, Warnsignale, Sprachverständigung, Temperatur, Feuchtigkeit, Staub und die Kombination mit anderer Schutzausrüstung. Bei der Kombination mit Helm wird laut DGUV Regel 112-194 häufig am Industrieschutzhelm befestigter Kapselgehörschutz verwendet, der nur mit den in der Benutzerinformation genannten Helmtypen genutzt werden darf. Passende Modelle finden Sie bei den Schutzhelmen und im Bereich Kopfschutz. Bei gleichzeitigem Tragen einer Schutzbrille sollen die Brillenbügel möglichst flach sein, damit die Kapsel dicht sitzt. Eine Auswahl finden Sie bei den Bügelbrillen, wie Sie deren Kennzeichnung lesen, erklärt der Beitrag Schutzbrille Kennzeichnung: EN 166 und EN ISO 16321 erklärt. Elektronischer Gehörschutz mit Kommunikation wird nach EN 352-6 oder -9 geprüft, Modelle zum Musikhören nach EN 352-8 oder -10 sind auf 82 dB(A) begrenzt.

Qualifizierte Benutzung: Wann entfallen die Praxisabschläge?

Wird die Unterweisung zur Gehörschutzbenutzung mindestens viermal im Jahr mit praktischen Übungen durchgeführt und dokumentiert, sprechen die DGUV-Regeln von qualifizierter Benutzung. In diesem Fall können die Praxisabschläge entfallen, die Einsatzgrenze verschiebt sich zu höheren Pegeln. Bei extrem hohen Schalldruckpegeln ist die qualifizierte Benutzung erforderlich, ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 110 dB(A) nach TRLV Lärm Teil 3 sogar vorgeschrieben. Die Übungen umfassen unter anderem das Formen und Einsetzen von Schaumstoffstöpseln und den Einfluss von Brillen auf die Dichtheit von Kapseln.

Richtig tragen, pflegen und austauschen

  • Setzen Sie vor Gebrauch zu formende Stöpsel nach der Herstellerinformation ein und halten Sie sie, bis sie sich ausgedehnt haben.
  • Achten Sie bei Kapseln auf dichten Sitz: Haare, Brillenbügel und Helmriemen dürfen die Dichtung nicht unterbrechen.
  • Tauschen Sie Dichtungskissen aus, wenn sie ihre Form verändert haben oder Risse und Brüche zeigen.
  • Prüfen Sie Gehörschutz regelmäßig auf Verformung, Alterung und Verhärtung. Verhärtete Stöpsel dehnen sich im Gehörgang unter Umständen nicht mehr vollständig aus.
  • Reinigen Sie nach Herstellerangaben, denn häufiges Reinigen kann das Material verändern und die Dämmung mindern.
  • Unterweisen Sie die Beschäftigten vor der ersten Benutzung und danach mindestens einmal jährlich.

Die DGUV empfiehlt außerdem Trageversuche mit einer kleinen Gruppe, bevor ein Modell betriebsweit beschafft wird. So zeigen sich Staub, Hitze, Bewegung und Signalhören in der Praxis.

Checkliste für die Beschaffung von Gehörschutz

  • Lärm am Arbeitsplatz ermittelt (Tages-Lärmexpositionspegel, Spitzenpegel, C-bewerteter Pegel)
  • Ziel-Restpegel von 70 bis 80 dB(A) am Ohr festgelegt
  • SNR- oder H-, M- und L-Wert des Gehörschutzes geprüft und mit Praxisabschlag gerechnet
  • Gehörschutztyp passend zu Tragedauer, Temperatur, Staub, Helm und Brille gewählt
  • CE-Kennzeichnung und Kennzeichnung nach DIN EN 352 am Produkt oder an der kleinsten Verpackung vorhanden
  • Warnsignale und Sprachverständigung im Trageversuch geprüft
  • Unterweisung geplant, Betriebsanweisung erstellt

Gehörschutz bei Technigro

Bei Technigro finden Sie Gehörschutz als Kapselgehörschutz und als Stöpsel, passend zu Schutzhelmen und Schutzbrillen. Unternehmen bestellen mit dem B2B-Programm über ein Firmenkonto. Weitere Hintergründe lesen Sie in den Beiträgen PSA richtig wählen: was hinter den Normen steckt, Kopfschutz für Bauarbeiter: Helmart, EN 397 und Auswahl und Was ist der Unterschied zwischen Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit?.

Die Gehörschutz dB Tabelle zeigt, worauf es ankommt: nicht so viel Dämmung wie möglich, sondern so viel wie nötig, mit einem Restpegel von 70 bis 80 dB(A) am Ohr.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein (Stand 27.10.2026). Welche Schutzausrüstung erforderlich ist, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung Ihres Unternehmens. Im Zweifel klären Sie die Auswahl mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Quellen

  1. Bundesamt für Justiz: § 6 Auslösewerte bei Lärm, Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV). Abgerufen am 27.10.2026.
  2. DGUV, Fachausschuss Persönliche Schutzausrüstungen: Allgemeine Präventionsleitlinie „Gehörschutz“ (Dezember 2009), mit Verweis auf DIN EN 352 und DIN EN 458. Abgerufen am 27.10.2026.
  3. DGUV: DGUV Regel 112-194 „Benutzung von Gehörschutz“, Ausgabe September 2024. Abgerufen am 27.10.2026.
  4. DGUV Regel 112-194, Anhang 12: Gehörschützer mit EU-Baumusterprüfbescheinigung, Praxisabschläge und Einsatzbereiche (Stand der Liste 25.06.2024). Abgerufen am 27.10.2026.
  5. DGUV Regel 112-194, Anhang 10: Vorschriften und Regeln, Normen DIN EN 352 Teil 1 bis 3 (Fassung 2020). Abgerufen am 27.10.2026.
  6. DGUV Regel 112-194, Kapitel 3: Grundsätzliches, PSA-Benutzungsverordnung, Verordnung (EU) 2016/425 und Kennzeichnung. Abgerufen am 27.10.2026.
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