Kurzfassung (Stand 27.10.2026)
S3 Sicherheitsschuhe gehören zur Schutzklasse S3 der EN ISO 20345 und haben eine Zehenschutzkappe, einen geschlossenen Fersenbereich, antistatische Eigenschaften, Energieaufnahme im Fersenbereich, Schutz vor Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme, Durchstichschutz mit metallischer Einlage und eine Profilsohle. Metallfreie Einlagen werden als S3L oder S3S gekennzeichnet, vollständig wasserdichte Schuhe als S7. Welche Klasse ein Unternehmen braucht, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung.
Auf der Zunge, der Sohle oder dem Karton von Sicherheitsschuhen steht ein Kürzel wie S1, S2 oder S3. Dahinter steckt kein Markenversprechen, sondern ein genormtes Schutzniveau nach EN ISO 20345. Wer die Bedeutung von S3 kennt, kauft weder zu wenig Schutz noch Eigenschaften, die der Arbeitsplatz gar nicht braucht.
Dieser Ratgeber erklärt, welche Anforderungen S3 nach dem aktuellen Stand der Norm abdeckt, was sich mit der Überarbeitung 2022 geändert hat, wie sich S3 von S1, S2, S3L, S3S und S7 unterscheidet und wie Unternehmen die passende Klasse auswählen.
Was bedeutet S3 bei Sicherheitsschuhen?
S3 ist eines der Kurzzeichen, mit denen die EN ISO 20345 häufig genutzte Kombinationen von Anforderungen zusammenfasst. Nach der Zusammenstellung des DGUV-Fachbereichs PSA (Sachgebiet Fußschutz) gilt für die Ausgabe 2022: S3 entspricht S2 und bietet zusätzlich Widerstand gegen Durchstich mit metallischer Einlage (Typ P) sowie eine Profilsohle. S2 wiederum entspricht S1 plus Schutz vor Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme. Allen Sicherheitsschuhen gemeinsam ist die Zehenschutzkappe.
Ein S3-Schuh deckt damit folgende Anforderungen ab:
- Geschlossener Fersenbereich: Die Ferse ist umschlossen, der Schuh ist kein offener Clog.
- Antistatische Eigenschaften (A): Elektrostatische Aufladungen werden kontrolliert abgeleitet.
- Energieaufnahmevermögen im Fersenbereich (E): Die Ferse dämpft Stöße beim Auftreten.
- Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme (WPA): Das Material ist auf Feuchtigkeit geprüft, der Schuh ist aber nicht vollständig wasserdicht.
- Durchstichschutz (Typ P): Eine metallische Einlage schützt die Sohle gegen spitze Gegenstände von unten.
- Profilsohle: Die Laufsohle ist profiliert.
- Rutschhemmung: Nach der Ausgabe 2022 ist die Prüfung auf Keramikfliesen mit Natriumlaurylsulfat-Lösung (NaLS) eine Grundanforderung für jeden Sicherheitsschuh.
Die folgende Übersicht zeigt, wie die Klassen aufeinander aufbauen:
| Kurzzeichen | Anforderungen |
|---|---|
| S1 | Geschlossener Fersenbereich, antistatische Eigenschaften, Energieaufnahme im Fersenbereich |
| S2 | Wie S1, zusätzlich Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme (WPA) |
| S3 | Wie S2, zusätzlich Widerstand gegen Durchstich mit metallischer Einlage (Typ P) und Profilsohle |
| S3L, S3S | Wie S3, aber mit nichtmetallischer Einlage (Typ PL beziehungsweise PS) |
| S6 | Wie S2, zusätzlich wasserdicht im zusammengebauten Zustand (WR) |
| S7 | Wie S3, zusätzlich wasserdicht im zusammengebauten Zustand (WR) |
| S7L, S7S | Wie S3L beziehungsweise S3S, zusätzlich wasserdicht im zusammengebauten Zustand (WR) |
Kurzzeichen mit P, etwa S1P, kombinieren den Durchstichschutz mit den Eigenschaften von S1. Die Auswahl im Shop reicht von S1 und S1P über S2 bis S3.
Was hat sich mit der EN ISO 20345:2022 geändert?
Die Norm wurde 2022 überarbeitet. Nach DIN Media gilt aktuell die DIN EN ISO 20345:2024-06 (EN ISO 20345:2022 + A1:2024), die die Ausgabe 2022-06 ersetzt. Für die Bedeutung von S3 sind folgende Änderungen wichtig:
- Durchstichschutz in drei Typen: P steht für die metallische Einlage, PL und PS für nichtmetallische Einlagen. Nach Herstellerangaben zur Norm werden P und PL mit einem Prüfnagel von 4,5 mm Durchmesser geprüft, PS mit 3,0 mm.
- Rutschhemmung: Die Prüfung auf Keramikfliesen mit NaLS ist Grundanforderung. Eine optionale Prüfung auf Keramikfliesen mit Glycerin wird mit SR gekennzeichnet. Die Symbole SRA, SRB und SRC gehören zu den Normen von 2011 und 2012.
- Wasserschutz: WRU wurde durch WPA ersetzt.
- Kraftstoffbeständigkeit: In der Ausgabe 2011 gehörte sie zu den Kategorien S1 bis S3. In der DGUV-Übersicht für 2022 steht sie nicht mehr in den Kategorien, FO bleibt aber als Zusatzsymbol.
- Neue Kategorien und Symbole: S6 und S7 für wasserdichte Schuhe sowie die Symbole LG (Halt auf Leitern) und SC (Überkappenabrieb).
- Haltbarkeitsdatum: Die Norm ergänzt Informationen dazu.
Schuhe nach den Normen von 2011 und 2012 tragen weiterhin die alten Kennzeichen. Maßgeblich ist deshalb immer die Kennzeichnung auf dem gelieferten Paar und in der Produktinformation des Herstellers.
Was bedeuten S3L, S3S und S7?
Der Zusatz hinter S3 verrät die Art des Durchstichschutzes. S3 ohne Zusatz bedeutet eine metallische Einlage (Typ P). S3L und S3S haben eine nichtmetallische Einlage vom Typ PL oder PS. Der Schutzumfang der Klasse S3 bleibt gleich, die Einlagen unterscheiden sich in Material und Prüfnagel. Ob eine metallfreie Einlage für den Einsatz vorteilhaft ist, etwa wegen Gewicht oder Flexibilität, klären Unternehmen anhand der Produktinformation.
S7, S7L und S7S entsprechen S3, S3L und S3S, zusätzlich muss der gesamte Schuh im zusammengebauten Zustand wasserdicht sein (WR). Bei S3 wird dagegen nur Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme geprüft. Wer dauerhaft im Nassen arbeitet, sollte deshalb auf WR oder S7 achten.
Welche Zusatzsymbole stehen neben S3?
Neben der Kategorie tragen Sicherheitsschuhe weitere Symbole für Eigenschaften, die über die Kategorie hinausgehen. Die wichtigsten für S3-Schuhe:
| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| SR | Rutschhemmung auf Keramikfliesen mit Glycerin (Norm 2022) |
| WR | Wasserdichtheit des Schuhs |
| HRO | Verhalten gegenüber Kontaktwärme |
| FO | Kraftstoffbeständigkeit |
| HI, CI | Wärmeisolierung beziehungsweise Kälteisolierung des Sohlenkomplexes |
| AN | Knöchelschutz |
| CR | Schnittfestigkeit |
| M | Mittelfußschutz |
| LG | Halt auf Leitern (Norm 2022) |
| SC | Überkappenabrieb (Norm 2022) |
Prüfen Sie diese Symbole vor dem Kauf. Bei Arbeiten auf Leitern, an heißen Flächen oder in der Kälte entscheiden sie oft darüber, ob ein S3-Schuh zum Einsatz passt. Weitere Abkürzungen von A bis Z erklärt das PSA-Lexikon.
Wann reicht S1, S1P oder S2, wann braucht es S3?
Unsere Einordnung aus den Definitionen der Klassen: S1 deckt trockene Umgebungen ohne Durchstichgefahr ab, S1P ergänzt den Durchstichschutz. S2 ergänzt gegenüber S1 den Schutz vor Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme. S3 kombiniert beides und kommt in Frage, wenn Feuchtigkeit und spitze Gegenstände am Boden zusammentreffen. Typische Einsatzorte für S3 Sicherheitsschuhe sind Baustellen im Hochbau und Tiefbau sowie der Garten- und Landschaftsbau.
Passende Sortimente finden Sie für den Straßenbau und für den Garten- und Landschaftsbau. S3 ist dabei nicht pauschal besser als S1P oder S2. Die Klasse deckt andere Risiken ab, und jede zusätzliche Eigenschaft hat Auswirkungen auf Gewicht und Tragekomfort. Entscheidend ist, dass die Klasse zur Gefährdung am Arbeitsplatz passt.
S3 oder S5: Was gilt für Gummi- und Polymerstiefel?
Die Normen unterscheiden zwei Klassifizierungen. Klasse I umfasst Schuhe aus Leder oder anderen Materialien nach herkömmlicher Schuhfertigung, dort gelten S1 bis S3 sowie S6 und S7. Klasse II umfasst vollständig geformte oder vulkanisierte Schuhe, also Gummi- und Polymerstiefel. Für sie gelten S4 und S5: S4 bietet antistatische Eigenschaften und Energieaufnahme im Fersenbereich, S5 ergänzt Durchstichschutz und Profilsohle. Für den Nassbereich finden Sie Gummistiefel und Wathosen im Sortiment.
Wie wählen Unternehmen die passende Klasse aus?
Welche Klasse nötig ist, entscheidet nicht der Einkauf, sondern die Gefährdungsbeurteilung. Hintergründe dazu finden Sie in unserem Beitrag Was ist der Unterschied zwischen Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit?. Als persönliche Schutzausrüstung fallen Sicherheitsschuhe unter die Verordnung (EU) 2016/425. Der Nachweis der Anforderungen erfolgt laut EUR-Lex mit der CE-Kennzeichnung auf dem Produkt.
Hilfe bei der Auswahl gibt die DGUV Regel 112-191 „Benutzung von Fuß- und Knieschutz“, die im Dezember 2025 in neuer Ausgabe erschienen ist. Sie definiert Verschleißmerkmale und Beschädigungen, die eine sichere Benutzung ausschließen (Ablegereife), gibt Empfehlungen für ausgewählte Arbeitsbereiche und enthält Muster-Betriebsanweisungen. Eine tätigkeitsbezogene Beispielliste führt zudem das Sachgebiet Fußschutz der DGUV. Im Zweifel klären Sie die Einstufung mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Checkliste für die Beschaffung von S3-Sicherheitsschuhen:
- Gefährdung laut Gefährdungsbeurteilung festgelegt (Nässe, spitze Gegenstände, Kälte, Hitze, Leitern)
- Kategorie passend gewählt (S1, S1P, S2, S3, S3L, S3S oder S7)
- Kennzeichnung nach EN ISO 20345 mit Ausgabejahr und CE-Kennzeichnung auf dem Schuh vorhanden
- Zusatzsymbole passend zum Einsatz geprüft (SR, WR, HRO, LG, CI)
- Durchstichschutz verstanden: Typ P (Metall) oder PL und PS (nichtmetallisch)
- Passform getestet, Hinweise des Herstellers zu Pflege und Austausch beachtet
Worauf achten Sie beim Tragen und wann tauschen Sie aus?
Ein Sicherheitsschuh schützt nur, wenn er passt und unbeschädigt ist. Orientierung für die Größe geben die Größentabellen, zum Beispiel für Elten Schuhe oder Cofra Schuhe. Passende Socken und Zubehör ergänzen den Schuh. Tauschen Sie Sicherheitsschuhe unter anderem aus, wenn die Zehenschutzkappe beschädigt oder verformt ist, die Sohle stark abgelaufen ist oder sich löst, das Obermaterial Risse hat oder der Schuh nicht mehr fest sitzt. Die verbindlichen Kriterien zur Ablegereife nennt die DGUV Regel 112-191.
S3-Sicherheitsschuhe bei Technigro
Bei Technigro finden Sie S3 Sicherheitsschuhe in vielen Marken und Schuhformen, ebenso wie die übrigen Klassen von S1 bis S7. Für Unternehmen gibt es ein B2B-Programm mit Firmenkonto. Weitere Hintergründe lesen Sie in den Beiträgen Sicherheitsschuhe: worauf es beim Kauf wirklich ankommt und PSA richtig wählen: was hinter den Normen steckt.
Wer S3 Sicherheitsschuhe beschafft, legt die Klasse anhand der Gefährdungsbeurteilung fest und prüft Kennzeichnung, Ausgabejahr und Zusatzsymbole am gelieferten Paar.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein (Stand 27.10.2026). Welche Schutzausrüstung erforderlich ist, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung Ihres Unternehmens. Im Zweifel klären Sie die Auswahl mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Quellen
- DGUV, Fachbereich PSA, Sachgebiet Fußschutz: Welche Anforderungen beinhalten die Kurzzeichen? (Normen 2011, 2012 und 2022). Abgerufen am 27.10.2026.
- DIN Media: DIN EN ISO 20345:2024-06, Persönliche Schutzausrüstung – Sicherheitsschuhe (EN ISO 20345:2022 + A1:2024), Status aktuell. Abgerufen am 27.10.2026.
- DIN Media: DIN EN ISO 20345:2022-06, zurückgezogen, mit Änderungsübersicht (unter anderem S6 und S7, Haltbarkeitsdatum). Abgerufen am 27.10.2026.
- Sievi: Sicherheitsschuhnorm EN ISO 20345:2022, Herstellerinformation zu den Prüfnägeln der Durchstichtypen. Abgerufen am 27.10.2026.
- DGUV: DGUV Regel 112-191 Benutzung von Fuß- und Knieschutz, Ausgabe Dezember 2025. Abgerufen am 27.10.2026.
- DGUV: Beispielliste Fußschutz für ausgewählte Tätigkeiten (Normenreihe 2022). Abgerufen am 27.10.2026.
- EUR-Lex: Zusammenfassung zur Verordnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstungen. Abgerufen am 27.10.2026.


